"Mephisto. Roman einer Karriere"

Das umstrittene Buch von Klaus Mann

27.01.2008 Caroline Werner

Der Schauspieler-Roman "Mephisto" von Klaus Mann - ein verbotenes Buch, das nach langen Kämpfen sein Recht auf Veröffentlichung erhielt.

Klaus Mann, dem ältestes Sohn des Literaturnobelpreisträgers Thomas Mann, gelang es während seines kurzen Lebens kaum, aus dem großen Schatten seines Vaters hervorzutreten. Seine Bücher waren wenig begehrt, bis auf eines: "Mephisto", das den Zusatztitel "Roman einer Karriere" trägt. Obwohl Klaus Mann es immer wieder abstritt, stellt das Buch doch ein erhellendes Porträt des Schauspielers Gustaf Gründgens dar. Dieser war in der Epoche der Weimarer Republik mit Manns Schwester Erika kurzzeitig verheiratet.

Spielball des Nazi-Regimes

"Mephisto" erzählt die Geschichte des Schauspielers und späteren Theaterintendanten Henrik Höfgen, der sich und seine Kunst zwischen 1926 und 1936 in die Dienste des Nazi-Regimes stellt. Ein Teufelspakt mit der herrschenden Politik, die Höfgen eine glanzvolle Karriere ermöglicht. Der Schauspieler muss dafür jedoch über Leichen gehen, wird zum "Affen der Macht" und verrät am Ende sogar seine Geliebte "die schwarze Venus". Zurück bleibt ein gewissen- und charakterloser menschlicher Spielball der Nazis, der keine Moral mehr kennt. Ein Roman über die bizarren Abgründe eines Mitläufers.

In seiner Autobiografie "Der Wendepunkt" äußerte sich Klaus Mann zu seinem wohl erfolgreichsten Buch und schrieb, dass er in Höfgens das Symbol "eines durchaus komödiantischen, zutiefst unwahren, unwirklichen Regimes" sah.

Vom Verbot bis zum Bestseller

Der Enthüllungsroman erschien erstmals 1936 im Amsterdamer Exilverlag Querido, wurde aber nach dem Tod von Gustaf Gründgens auf gerichtlichen Antrag der Erben 1966 verboten. Das Buch stelle "eine Beleidigung, Verächtlichmachung und Verunglimpfung von Gründgens dar", so das Urteil des Gerichts. 1971 legte der Verlag eine Verfassungsbeschwerde ein, woraufhin sich das Bundesverfassungsgericht mit dem Verhältnis zwischen Kunstfreiheit und den Grundrechten Dritter auseinandersetzte, die Beschwerde aber in seiner Mephisto-Entscheidung zurückwies. Erst im Jahre 1981, als die Erinnerung an den verstorbenen Schauspieler Gründgens in Deutschland nahezu verblasst war und der postmortale Persönlichkeitsschutz schwindend gering wurde, durfte eine Neuauflage gestartet werden. Der Rowohlt Verlag, der sich die Veröffentlichungsrechte gesichert hatte, landete sofort einen monatelangen Bestseller damit.

Klaus Mann – eine tragische Figur

Klaus Mann nahm sich im Alter von 43 Jahren das Leben und starb in Cannes an einer Überdosis Schlaftabletten. Immer in finanzieller Abhängigkeit seiner Eltern lebend, führte der offen Homosexuelle eine künstlerische Bohème-Existenz. Er entschied sich für die Rolle des enfant terrible, als er seine literarische Laufbahn in der Weimarer Republik begann. In Hamburg stand Mann gemeinsam mit seiner Schwester und Gustaf Gründgens auf der Theaterbühne.

Von Zweifeln geplagt, blieb Klaus Mann eine tragische Figur, ein drogensüchtiger Individualist, über den Marcel Reich-Ranicki bilanziert: "Er war nicht unbegabt, aber ein wirkliches literarisches Talent war er nun doch nicht." Trotzdem: "Mephisto" ist und bleibt ein Kultbuch, ein legendäres Zeitdokument, das mittlerweile die 14. Auflage erreicht hat und mehrfach verfilmt und vertont wurde.

Klaus Mann: Mephisto. Roman einer Karriere. Rowohlt 2007. Taschenbuch, 414 Seiten. Euro 9,95.

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Mann: Mephisto, Rowohlt Verlag Mann: Mephisto
   
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